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„16. Rostocker Maritimes Sicherheitskolloquium“ am 11. Oktober 2016 im Historischen Rathaus in Rostock

„Auftrag und Alltag der Marine“
zu diesem Thema hatten die Karl-Theodor-Molinari Stiftung (KTMS), das Bildungswerk des Deutschen Bundeswehr Verbandes und das Deutsche Maritime Institut (DMI) nach Rostock eingeladen.
Im historischen Rathaus trafen sich am 11. Oktober 2016 Angehörige aus dem Bundesministerium der Verteidigung, der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der Stiftung Wissenschaft und Politik, Bundeswehr und Marine sowie der Universität Hamburg, um mit den Gästen beim 16. Rostocker Maritimen Sicherheitskolloquium über das sich ändernde sicherheitspolitische Umfeld und deren Auswirkungen auf den Dienstalltag in der Marine und den Weg der Marine in die Zukunft zu diskutieren.

Blick in den Saal Rostock 2016
 

Dr. Michael Rudloff, Geschäftsführer der KTMS, Fregattenkapitän Marco Thiele, Vorsitzender Marine des Deutschen Bundeswehr Verbandes e.V., der Oberbürgermeister der Stadt Rostock, Roland Methling und der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause begrüßten die Gäste.
Dabei bedankte sich Marco Thiele insbesondere für die Leistungen der Soldatinnen und Soldaten der Marine in der jüngsten Vergangenheit, Der OB Methling unterstrich die Bedeutung des Marinekommandos und der Marineangehörigen im Standort Hohe Düne für die Stadt Rostock. Er informierte darüber, dass 2018 anlässlich der 800 Jahr Feier der Stadt Rostock eine Veranstaltung mit Bürgermeistern weiterer „Marinehauptstädte“ geplant sei und entsprechende Einladungen ausgesprochen werden.
Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, der am Tag der Veranstaltung Geburtstag feierte, unterstrich die Notwendigkeit einer breiten und offenen Diskussion maritimer Sicherheitspolitik. „Wir wollen und müssen uns mit der Rolle der Marine in Deutschland, in Europa und im globalen Kontext auseinandersetzen“ so Krause.

Die Vortrags- und Diskussionsreihe begann mit einem „historischen“ Einführungsreferat des Fregattenkapitän Dr. Christian Jentzsch vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr.
„Die Entwicklung der Deutschen Marine seit 1990. Die Evolution von einer Kalter-Krieg-Marine (Escort Navy) zur Interventionsmarine (Expeditionary Navy)“ war sein Thema.
(Den Vortrag finden Sie unten unter "Weitere Information".)


Das erste Panel stand unter dem Thema „Das sicherheitspolitische Umfeld und Operationen der Deutschen Marine“.

„Deutschland kann sich den maritimen Sicherheitsanforderungen nicht entziehen, es kann sie aber auch nicht alleine bewältigen“, stellte Sebastian Feyock von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik fest. „Die Anstrengungen und das politische Handeln würden dieser Bedeutung nicht gerecht. Auch in der Politik ist Sea Blindness bemerkbar. Nicht immer wird erkannt, das wirtschaftspolitische Themen auch fast immer maritime Themen sind“.
„Vor dem Hintergrund, dass etwa Russland und China auf den Weltmeeren immer aktiver würden, müssten Einsatzgeschwindigkeit und Flexibilität der Marine erhöht, Kapazitäten ausgebaut und die Präsenz auch in Nicht-Nato-Gebieten sichergestellt werden – so auch die Analyse von Dr. Sybille Reinke de Buitrago vom Institut für Friedensforschung der Universität Hamburg.
Konteradmiral Thorsten Kähler, Chef des Stabes im Marinekommando, skizzierte, wie sich die Aufgaben der Deutschen Marine gewandelt haben und weiter wandeln. So habe sich die Ostsee, ein „Meer des Friedens“, wieder als Operationsraum zurückgemeldet. Kähler zeigte sich besorgt über die Entwicklung der vergangenen Jahre. „Russland hat sich vom Prinzip der friedlichen Lösung territorialer Streitigkeiten verabschiedet.“ Die Marine müsse zur Fähigkeit der mehrdimensionalen Kriegführung und der Randmeeroperationen zurückkehren. Sie müsse aber immer auch humanitäre Operationen bewältigen können“.
Mit den Schilderungen seiner Erlebnisse und Erfahrungen als Kontingentführer EUNAVFOR MED, Operation „Sophia“ beeindruckte der Fregattenkapitän Torsten Eidam. Was hat uns der Einsatzalltag gelehrt?

In der unter Kapitän zur See a.D. Heinz Dieter Jopp anschließend geleiteten Podiumsdiskussion wurden über die Beiträge diskutiert und Fragen beantwortet.

Das zweite Panel führte den Titel: „Die Deutsche Marine auf dem Weg in die Zukunft“

Über die zukünftige Ausrichtung der Deutschen Marine personell, strukturell und materiell und aufgabenmäßig referierte der Gruppenleiter im Bereich Weiterentwicklung der Marine des Marinekommandos, Kapitän zur See Eike Wetters. Intensivnutzung, Mehrbesatzungsmodel, Vernetzung, Cyber- und IT Fähigkeiten, Kooperation mit der Niederländischen Marine seien hier nur als einige Stichpunkte seiner Ausführungen genannt.

Über die europäischen Anstrengungen, eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik zu forcieren, berichtete Flottillenadmiral Jürgen Ehle von der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU. Die auf dem Gipfel in Bratislava versammelten EU-Regierungschefs hätten ein starkes Signal für eine Stärkung der europäischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, kurz ESVP, gesendet. Der gemeinsame Brief der Verteidigungsminister Frankreichs, Italiens, Spaniens und Deutschlands sei ebenfalls ein Schritt zu einer neuen europäischen Sicherheitsagenda. An manchen Stellen fehle jedoch immer noch der politische Wille, wie sich bei den EU-Battle-Groups zeige, die noch nicht im Einsatz waren. Auch die europäischen Verträge setzten Grenzen, etwa mit Blick auf den Aufbau militärischer Fähigkeiten in Drittländern.

Die Perspektive eines globalen Netzwerks maritimer Sicherheit aus NATO betrachtete Kapitän zur See Axel Deertz, Unterabteilungsleiter Operation im Marinekommando Abteilung Einsatz. Die NATO von Wales nach Warschau, Deterrance und Defense, Bedeutung Readiness Action Plan bildeten u.a. den Rahmen für seine Ausführungen.

Dr. Hilmar Linnenkamp von der Stiftung Wissenschaft und Politik sowie Regierungsdirek-tor Ulf Häußler aus dem BMvg beleuchteten das Projekt Europäischer Streitkräfte aus Sicht der Politik.
Bei Vorstellungen von einer europäischen Militärkooperation und –integration sind noch Besonderheiten wie
Europäische Konsolidierung der Rüstungsindustrie vs. Erhalt von Schlüsseltechnologien
Europäische Autonomie
Europäische Armee aber auch nationale Sicherheit und nationales Recht
Die Stellung und das Ansehen Deutschlands (Führungsrolle Deutschlands?)
von Bedeutung. Hierauf müssen gemeinsame Antworten gefunden werden.

Auch dieses Panel endete mit einer Podiumsdiskussion.

Blick ins Publikum

Die Veranstaltung endete mit Schlussworten des Inspekteurs der Marine,
Vizeadmiral Andreas Krause, und dem Präsidenten des Deutschen Maritimen Instituts (DMI), Vizeadmiral a.D. Hans-Joachim Stricker.
Der Inspekteur hatte am Ende eine klare Botschaft: „Es ist wichtig, dass die Marine wieder wächst. Zu lange habe die Teilstreikraft von der Substanz gelebt“, sagte Vizeadmiral Krause. Er setze große Hoffnungen in die angekündigten Trendwenden Personal, Material und Finanzen. Es bedarf eines langen Atems, Durchhaltefähigkeit, Mut und Kraft .VA Krause warb um Unterstützung, damit die Umkehr gelinge. Er machte deutlich, dass die Marine bisher noch jeden Auftrag erfüllen konnte. Die Marine ist multinational und auch weiterhin vorbereitet auf den Auftrag.

In seinen Abschlussworten dankte der Präsident des DMI dem Organisationsteam, allen Referentinnen und Referenten sowie den Teilnehmern für ihre Beiträge.

 

 

Zu den Vorträgen:

pdfVortrag FKpt Dr. Christian Jentzsch
pdfVortrag FK Torsten Eidam

 

Weitere Informationen:

http://www.deutsches-maritimes-institut.de

http://www.molinari-stiftung.de/

 

Einen weiteren Beitrag zum Maritimen Sicherheitskolloquium über "Auftrag und Alltag der Marine" finden Sie hier: pdfMarineForum_Maritimes_Sicherheitskolloquium_2016.pdf (pdf | 4 Seiten | 365 KB ).

 

 

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8. Maritimer After Work Club (MAWC)

Dienstag, 14. März 2017 ab 17:00 Uhr

„Die europäische maritime Dimension – Aktuelle Handlungsfelder und maritime Sicherheit am Beispiel Mittelmeer/ Operation Sophia“ 

Europäische Kommission, Vertretung in Deutschland, Berlin

Erste Impressionen finden Sie hier.

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